RFV Gonsenheim 1929 e.V.


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Chronik

Aktuelles

Chronik des Reit- und Fahrvereins 1929 e.V. Mainz-Gonsenheim

Als 1929 in Gonsenheim ein Bauerntag abgehalten wurde, waren auch auswärtige Reiter erschienen, um das Veranstaltungsprogramm zu umrahmen. Auf dem Sportplatz an der Kapellenstraße wurde eine Quadrille geritten, bei der auch Gonsenheimer Reiter teilnahmen. Es handelte sich um ehemalige Artilleristen und Kavalleristen, die nach der Soldatenzeit ihre Liebe zum Pferd und zum Reitsport bewahrt hatten.

Unter dem Vorsitzenden Johann Alois Becker, einem Gonsenheimer Gaststättenbesitzer, übernahm Georg Grabfelder das Amt des Reitlehrers. Unter seiner Leitung und mit Unterstützung von Hauptmann Max Lochner, der die leichte Abteilung betreute, errangen unsere Reiter 1934/35 beachtliche Erfolge.

Dass die Pferde der damaligen Reitergruppe keine ausgesprochenen Reitpferde waren, liegt auf der Hand. Es waren Arbeitspferde, die wochentags zu landwirtschaftlichen Arbeiten gebraucht wurden. Als Zugpferde vor Pflug und Wagen waren sie nur schwer an Sattel und Zaumzeug zu gewöhnen.

Trotzdem wurden in den Jahren nach der Gründung mehrere Turniere im Mainzer Raum besucht. Von der Teilnahme und den Erfolgen künden noch heute verschiedene Preise und Auszeichnungen. Besonders zu bemerken ist der Ehrenpreis für den Sieg im Abteilungsreiten, ein Bronzestier, der sich noch heute im Vereinsbesitz befindet. Er wurde den Reitern in Verbindung mit einer Auktion auf dem Schlacht- und Viehhof in Mainz verliehen.

Als Reitgelände dienten Halle und Platz bei der alten 27er-Kaserne. Am 26.10.1930 veranstaltete der junge Reit- und Fahrverein dort das erste eigene Reitturnier mit Abteilungs- und Dressurreiten.

Nicht nur an Turnieren, auch bei den Fastnachtsumzügen nahmen unsere Kameraden teil. So berichtet einer unserer Gründer, nachdem sie 2 Tage bei den Umzügen mitgeritten waren, bekamen sie als Entgelt 50 Reichsmark, was der Gegenwert für einen Sattel war. Allerdings nicht für einen neuen, sondern für einen alten Armeesattel, erworben beim Sattlermeister Henrich in Mainz.

Vereinslokal war die Gaststätte von Johann Alois Becker in der Mainzer Straße, wo sich jeden zweiten Samstag im Monat trinkfeste Reiter zusammenfanden, um das gesellige Leben im Kreise gleichgesinnter Freunde zu pflegen.

Infolge der politischen Verhältnisse stellte der Verein seine aktive Tätigkeit in den Jahren 1934/35 nach und nach ein.
Eine Vereinsarbeit wäre nur im Rahmen der Mitgliedschaft bei der SA-Reiterstaffel in Mainz möglich gewesen, somit war die Eigenständigkeit des Vereins nicht mehr gewährleistet. Wohl waren unsere Reiter privat noch am Reitsport interessiert und nutzten jede freie Stunde um ihre Pferde zu bewegen,
Aber von Turnierausrichtungen oder Besuchen konnte nicht mehr gesprochen werden. Hinzu kam, dass mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges viele Landwirte ihre Pferde der Wehrmacht zur Verfügung stellen mussten.

Drei Jahre nach Kriegsende begann man den Reit- und Fahrverein neu zu formieren. Den Anstoß gab die Hochzeit unseres Kameraden Alois Werum, der als erster nach dem Krieg mit seiner Braut Anni, geb. Wohn, in einer Zweispännerkutsche zur Kirche gefahren wurde.

Das erste Turnier, an dem unsere Reiter nach dem Krieg teilnahmen, fand am 17. September in Mombach statt. Hier gewann Alois Werum im Tandemreiten einen Ehrenpreis. Am 15. April 1951 richtete die Reitschule Schäfer auf dem Lochnerhof, dem Anwesen unseres früheren Reitlehrers Hauptmann Max Lochner, einen Abteilungswettkampf in Dressur und Springen aus.

1952 wurden für den „Rheinhessendom“ in Gonsenheim neue Glocken angeschafft. Der Verein stellte drei zweispännige Anhänger mit Landanspannung zur Verfügung um die Glocken in Mainz abzuholen.

Von 1949 bis 1954 dienten der Platz an der Krimm und die alte 27er- Kaserne als Reitgelände. Später wurden alle Turniere auf dem in Eigeninitiative mit viel persönlichem Einsatz hergerichteten Reitplatz: „Am Sandmühlweg“ abgehalten.

Mit dem Jubiläumsturnier zum 25-jährigen Bestehen des Verein am 16.+ 17. Mai 1954 wurde der Grundstein für die nun alljährlich veranstalteten Osterturniere gelegt. Diese finden seitdem in ununterbrochener Reihenfolge statt. Einzige Ausnahme bildete das 47. Osterturnier im Jahr 2001, das wegen der Maul- und Klauenseuche kurzfristig abgesagt wurde.
Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten enthüllte der 1. Vorsitzende Josef Zapf nach einem Gottesdienst mit Totenehrung eine Gedenktafel für die verstorbenen, gefallenen und vermissten Reiterkameraden. Am Vorabend des Turniers fanden sich aktive und inaktive Reiter zu einem Festabend in der Turnhalle ein.

Am 25. März 1956 ist unsere Vereinsstandarte eingeweiht worden. Nach dem gemeinsamen Kirchgang wurde die neue Fahne im Vereinslokal dem Standartenträger Alois Werum und den beiden Fähnrichen Josef Lehr und Georg M. Lehr feierlich überreicht.

Im Jahre 1979 wurde das 50jährige Jubiläum gefeiert. Im Jubiläumsjahr wurde eine Vielseitigkeitsprüfung im Lennebergwald ausgerichtet. Am 5. Mai fand ein Festabend in der Jahnturnhalle statt.

Schon immer war es ein schöner Brauch bei uns, junge Paare an ihrem Hochzeitstag mit prächtig geschmückter Kutsche zur Kirche zu geleiten. Aktive Reiter wurden vierspännig gefahren, inaktive Mitglieder hingegen, mussten sich mit einem Doppelspänner „begnügen“. Ein stolzer Sechserzug bestätigt aber die Ausnahme von dieser Regel.

Lange Zeit stellte unser Verein bei Winzerzügen in Bingen und bei Fastnachtsumzügen in Mainz Kutschgespanne und Reiter.
Die Geselligkeit zu pflegen war stets ein großes Anliegen des Vorstandes. Alljährlich feierte man im Kreise der Gleichgesinnten die Fastnacht , im Herbst folgte dann ein gemeinsamer Ausflug, der alle Reiterkameraden in froher Runde vereinte. Des öfteren wurden Gestüte besucht oder die Hengstparaden.
Man beteiligte sich auch gern und jahrelang (1983 – 2000) am Gonsenheimer Rathaus- und Höfefest. Familie Bopp stellte dazu Haus und Hof zur Verfügung. Außerdem nimmt der Gonsenheimer Reitverein jedes Jahr am Rekrutenumzug in Gonsenheim (Fastnachtssamstag) und am Umzug im Bergdorf Finthen (Fastnachtssonntag) teil.

1985 begann eine Kooperation mit der neu errichteten Reitanlage der Familie Megerlin in Uhlerborn. Dem Gonsenheimer Reitverein wurde sonntags die kleine Reithalle zum Training zur Verfügung gestellt. Durch den Reitlehrer hat der Verein die Möglichkeit, an Reitstunden teilzunehmen. Auf der Reitanlage finden in den Anfangsjahren große internationale Turniere statt, wobei die Mitglieder des Gonsenheimer Reitvereins die Verköstigung übernahmen.

Der Verein wurde im Jahr 1986 ins Vereinsregister eingetragen und führt seit diesem Zeitpunkt den Zusatz e.V.. Ein Jahr später ging das Reitgelände „Am Sandmühlweg“ durch eine Flurbereinigung in den Besitz des RFV Gonsenheim über. Ein weiterer Reitplatz „Am Hemel“ entstand 1988. Durch die dort installierte Flutlichtanlage sind die Mitglieder nun auch in der Lage, besser in den Abendstunden zu trainieren.

Im Jahr 1999 fand das 70jährige Jubiläum mit Feierlichkeiten im Rathaus statt.
Auch das 75jährige Jubiläum im Jahr 2004 wurde gebührend mit einer Ausstellung im Heimat- und Geschichtsverein und einem Fest in der Jahnturnhalle gefeiert.

Seit 2004 veranstaltet der Verein regelmäßig einen Fahrertag auf dem Gelände Unterhalb der Schäfersmühle. Von Anfang an verzeichnete dieser Fahrertag großen Zuspruch, so dass diese Veranstaltung im Jahr 2008 ausgeweitet wurde: Es wurde erstmals ein Fahrturnier mit Ausrichtung der Rheinhessenmeisterschaft durchgeführt, zu der sich insgesamt 50 Gespanne angemeldet hatten und schon bei der erstmaligen Durchführung viele Zuschauer anzog.

Was die Gründer und Mitglieder des Verein in der langen Zeitspanne seit 1929 in uneigennütziger Weise geleistet haben, soll Ansporn sein für die nachwachsende Jugend. Durch persönlichen Einsatz und Opferbereitschaft mögen unsere jungen Reiter dazu beitragen, dass die Liebe zum Pferd und Reitsport erhalten bleibt und der Reit- und Fahrverein 1929 e.V. Mainz-Gonsenheim sich in den kommenden Jahren kontinuierlich aufwärts entwickelt.
Das wäre der schönste Dank und die beste Anerkennung für sie.

1. Vorsitzende seit Gründung des Vereins:
1929 – 1935 Johann Alois Becker
1949 – 1952 Alois Werum
1952 – 1954 Rudolf Münch
1954 – 1959 Josef Zapf
1959 – 1977 Rudolf Münch
1977 - 1989 Georg Martin Lehr
1990 – heute Franz-Ferdinand Werum

sportliche Highlights

Alle Erfolge unserer Reiter aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Chronik sprengen.
Es können daher hier nur einige besondere Glanzpunkte erwähnt werden.

Auf dem Landesturnier 1962 an der Krimm gewann Josef Lehr im Vierspännerfahren die Goldene Schleife.

Ferdi Werum auf Falkendirndl wurde 1973 auf dem Provinzialturnier in Alzey Vizemeister in der Dressur der Junioren.

Andreas Megerlin errang in den 80er und 90er Jahren zahlreiche S-Platzierungen und Siege. Aufgrund seiner S-Siege bekam er im Jahre 1997 das Goldene Reitabzeichen verliehen.
Carina Schuth kann zahlreiche Platzierungen und Siege in Dressurprüfungen aufweisen. Außerdem konnte sie sich in den Jahren 2004, 2006 und 2007 mit ihren Ponys für das Bundeschampionat qualifizieren.

Darüber hinaus haben die Mitglieder des RFV Gonsenheim zahlreiche Meistertitel erringen können, z.B.:
1989: Armin Himmelreich wird Deutscher Meister der Jungen Reiter.
1991: Theo Bopp wird Rheinland-Pfalz- und Rheinhessen-Meister.
Andreas Megerlin wird Rheinhessenmeister im Springen der LK 2/3.
1996: Ulla Sprengart wird Rheinhessenmeisterin im Springen der LK 6
1997: Andreas Megerlin wird Rheinhessenmeister im Springen der LK 2/3.
1998: Andreas Megerlin wird wieder Rheinhessenmeister im Springen der LK 2/3.
1999: Theo Bopp wird Rheinland-Pfalz-Meister.
2002: Armin Kohl wird Rheinhessenmeister im Springen der LK 4.
Regina Kronauer wird Rheinhessenmeisterin in der Dressur der LK 4.
Aline Meineck wird Rheinhessenmeisterin in der Dressur der LK 6.
2006: Aline Meineck wird Rheinland-Pfalz-Meisterin der Junioren im Springen
Carina Schuth wird Rheinhessenmeisterin in der Dressur der LK5
Katja Butz wird Vize-Landesmeisterin in der Vielseitigkeit und gewinnt die Rheinhessenmeisterschaft
2007: Aline Meineck gewinnt mit Lolly-M in Billigheim ihr erstes S-Springen
2008: Angelina Kohl wird Rheinhessenmeisterin im Springen der LK0
2008: Aline Meineck wird Rheinland-Pfalz-Meisterin der Jungen Reiter im Springen
2009: Britta Rathje wird Rheinhessenmeisterin in Bodenheim in der Dressur in LK2/3
2010: Britta Rathje wird Rheinhessenmeisterin in Bodenheim in der Dressur in LK2/3

Besonders erwähnenswert sind sicherlich die Erfolge unseres Fahrers Theo Bopp. Bereits 1978 gewann er mit seinem Pferd Wildkatze in Hechtsheim den 1. Preis in der Gebrauchsprüfung für Einspänner, ebenso im Oktober in Grünstadt, in der gleichen Disziplin. Außerdem errang er in der Dressur den 1. Platz und in der Geschicklichkeitsprüfung den 2. Platz. Somit war er bester Einspännerfahrer unter 12 Teilnehmern der Kleinpferde-Klasse.
1984 wurde er Rheinland-Pfalz-Meister im Pony-Zweispännerfahren in Singhofen.
1991 siegte er bei einem internationalen Turnier in Frankreich. Ein besonderer sportlicher Höhepunkt für ihn bildete sicherlich die Teilnahme an den Weltmeisterschaften der Einspänner in Österreich im Jahr 2003, die er mit einem hervorragenden 9. Platz in der Gesamtwertung beendete. Auch im Jahr 2005 nahm er an den Weltmeisterschaften im englischen Cotton Hall teil. In den Jahren 2004 und 2005 wurde er erneut Landesmeister im Pony-Einspänner Fahren. 2008 wurde Theo Bopp beim Bundesvergleich der Pony-Einspänner in Grefen Dritter.

Mit Christine Balz zählt der Verein eine weitere hoffnungsvolle Nachwuchsfahrerin zu den Aktiven. Sie konnte 2008 den Rheinhessen Cup der Nachwuchsfahrer in Gonsenheim gewinnen.

Auch als Mannschaft war der RFV Gonsenheim in der Vergangenheit erfolgreich:
Am 27. bis 30. Mai 1955 belegte unsere Mannschaft beim Pfingstturnier in Wiesbaden-Biebrich im Wettkampf der Nachwuchsabteilung den 1. Platz
Im Oktober 1965 veranstaltete die Reitschule Schäfer ein Jugendvergleichsturnier, das von vielen renommierten Vereinen besucht war. Unsere Mannschaft, verstärkt durch Brigitte Ulzmann aus Neu Bamberg auf Anuschka, Maria Metzler auf Ntscho-Tschi, Annemarie Hofmann auf Ingo und Erwin Becker auf Sascha erreichte hinter der favorisierten Mannschaft Rheinland-Nassau und vor der Auswahlmannschaft Pfalz-Hessen und Rheinhessen den 2. Platz.
Am 11.+12. September 1974 nahmen unsere Reiter am Provinzialturnier in Westhofen teil. Im Kampf um die Provinzialstandarte belegte unsere Mannschaft mit den Reitern Maria Metzler, Erwin Becker, Peter Becker und Willi Ammann auf den Pferden Ntscho-Tschi, Sascha, Ingo, und Allegro den 1. Platz und konnte so die begehrte Trophäe erringen.
1998 belegte Gonsenheim in der Rheinhessischen Mannschaftsmeisterschaft mit den Reitern Christine und Sandra Dettweiler, Regina Kronauer, Andrea Link, Andreas Megerlin, Sabrina Noll, Immo Pelzer, Daniela Pohlig und Ulla Sprengard den 2. Platz.

Nach 10jähriger Abwesenheit von den Landeschampionaten gelang es der Mannschaft des RFV Gonsenheim auf Anhieb im Jahr 2008 den Titel des Rheinhessenmeisters zu erringen. In der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft belegte die Mannschaft einen beachtlichen 6. Rang. Es ritten Yvonne Hauer, Armin Kohl, Regina Kronauer, Jörg Lichte, Christian Mahler, Aline Meineck, Britta Rathje, Carina Schuth, Natalie Schlemmer und Nina Rink.

Im Jahr 2010 stellte der RFV auf dem Landeschampionat in Weisenheim am Sand 2 Offene Mannschaften, eine Jugendmannschaft und eine Vierkampfmannschaft und errang bei den Offenen Mannschaften erneut den Rheinhessentitel. In der Landeswertung verbesserte der RFV sich auf Platz 5 (von 22 Mannschaften!). Die Vierkampfmannschaft stieg als Drittplatzierte ebenfalls aufs Treppchen.

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